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Auf dem Jakobsweg durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Autor: Josef Fischer

Verlag: Pro Leipzig

Seitenzahl: 126 Seiten

  • Preisca. 10 €

Auf dem Jakobsweg durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Das Wandern ist des Fischers Lust…

Seit beinahe 1000 Jahren pilgern Menschen zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela. Dass der Jakobsweg dabei vor der eigenen Haustür beginnt, ist wortwörtlich zu verstehen: Seit 2003 führt entlang der alten Via regia ein eigener mitteldeutscher ökumenischer Pilgerweg von Görlitz ins thüringische Vacha, 450 Kilometer, um einmal Luft zu holen und nachzudenken. Spätestens nach dem Erscheinen von Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ ist der Jakobsweg des Öfteren Protagonist in der literarischen Landschaft. Nun ist das Werk eines Schönefelders veröffentlicht worden. In zwei Anläufen in den Jahren 2008 und 2013 hat der ehemalige Leiter des Amtes für Statistik und Wahlen, Josef Fischer, den mitteldeutschen Weg bewältigt und darüber geschrieben. Josef Fischer stellt in seinem Bericht keine Frage nach dem Warum. Er sucht den Weg, geleitet von der Jakobsmuschel. Sein Weg ist die Suche: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Es sind jene Fragen die man nur in diesen Situationen stellt, aber nicht beantworten kann. Nur das abstrakte Gefühl, unterwegs zu sein, bleibt. Er trifft Menschen, redet, beobachtet. Am Morgen voller Energie, gen Abend getrieben von dem Bedürfnis nach Behaglichkeit, nach einer Gastwirtschaft, um nach einer geruhsamen Nacht weiterzuziehen. Über das kleinste Gebirge Deutschlands, entlang verwaschener Pfade, über Strom und Bäche und Autobahnen, in Dörfer und Städte. Bei sich trägt der Autor einen Pilgerführer, der ihm Pilgerherbergen aufzeigen will, die nur allzu oft geschlossen haben. Ohne Technik, ohne Navigationssystem oder Vehikel, nur ad pedes, zu Fuß unterwegs, mit einem Rucksack, Regenschirm und einem breitkrempigen Hut wie Indiana Jones ausgerüstet, ist er gezwungen zu improvisieren – und zu verzichten. Er muss mit dem auskommen, was er bei sich trägt – zumindest, bis er den nächsten besiedelten Landstrich erreicht. So liest man seinen Erlebnisbericht manchmal wie ein Road-Movie durch Mitteldeutschland, gespickt mit Informationen und gewürzt mit Anekdoten.

Johannes Bolte


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